Austauschbarkeit von Schlössern
in Brandschutztüren durch definierte Schlossfamilien


Ausgangslage Nach einer bestandenen Brandschutzprüfung nach der Püfnorm SN EN 1634-1 (SIA 183.18) können bis heute Schlösser nicht offiziell innerhalb deren Schlossfamilien ausgetauscht werden.
In der EN Norm für Brandschutzschlösser (SN EN 12209: 2003 / Mechanisch betätigte Schlösser und Schliessbleche) ist jedoch die Anforderung u.a. folgendermassen beschrieben:

«Schlösser, die für den Typ repräsentativ sind, müssen erfolgreich einer Feuerwiderstandsprüfung nach SN EN 1634-1 unterzogen worden sein». Mit 'für den Typ repräsentativ' ist die Schlossfamilie gemeint.

Ziel Der Türenhersteller erhält bei einer bestandenen Brandschutzprüfung nach SN EN 1634-1 (SIA 183.181) neu die Zulassung für eine definierte Schlossfamilie und nicht wie bisher nur für das geprüfte Schloss. Somit kann der Türenhersteller innerhalb einer Schlossfamilie die Schlösser in seinem geprüften Türenelement austauschen.
Ausserdem ist es für den Schlosshersteller einfacher, die Brandschutztauglichkeit seiner Schlösser nachzuweisen: nach der Überprüfung im Prüfinstitut kann er bei neuen Ausführungen von Schlössern die Schlossfamilie ergänzen.

Vorgehen Die Definierung und Überprüfung einer Schlossfamilie muss durch ein anerkanntes und unabhängiges Prüfinstitut erfolgen und durch eine gutachtliche Stellungnahme bestätigt werden. Diese Gutachten sind der VKF (Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen) sowie auf Verlangen auch den Brandschutzbehörden vom Schlosshersteller vorzulegen.

Der Nachweis für die Verwendbarkeit einer Schlossfamilie in einer Brandschutztüre ist erbracht, wenn die Brandprüfung nach SN EN 1634-1 (SIA 183.181) mit dem Schloss in der brandprüftechnisch ungünstigsten Ausführungsvariante bestanden wurde. Das zu prüfende Schloss soll mit dem grössten Dornmass und dem grössten Stulp eingebaut werden.
Eine Übertragung der Prüfresultate auf andere Konstruktionen und Rahmenmaterialien (Holz <> Metall / Rohrrahmen) ist nicht möglich.

Gemäss Brandschutzprüfnorm wird das Türenelement stets in unverriegeltem Zustand geprüft (Schlossriegel eingezogen). Somit ist die Schlossfalle das einzige Schlossbauteil, das die Türe geschlossen hält. Ausgenommen von dieser Regel sind Türenelemente mit selbstverriegelnden Schlössern, die bei jedem Schliessvorgang verriegelt werden.

Aktuelles auf der Homepage VST Um die Nachvollziehbarkeit für die kantonalen und kommunalen Brandschutzbehörden zu gewährleisten, ist auf der Homepage des VST eine aktuelle Übersicht der Schlossfamilien-Gutachten vorhanden. Diese Gutachten können von den Zulassungs-inhabern ausgedruckt und ihren Dokumentationen beigefügt werden.

Alles Wissenswerte über Schlossfamilien enthält das überarbeitete VST Merkblatt 008.

Austauschbarkeit Üblicherweise werden die Schlossmasse wie Stulp, Dornmass und Entfernung auf die Türkonstruktion (Aussen- oder Innentüre, Türstärke, Falzausbildung) abgestimmt und können deshalb nicht ohne weiteres variieren, es sei denn die Konstruktion / Ausführung der Türe wird verändert. Alternative Massausführungen eines Schlosses (Stulplänge, Stulpbreite, Dornmass) bei gleicher Türkonstruktion einer Feuerschutztür können das Brandverhalten beeinflussen (Abbrand, Reaktion der aufschäumenden Mittel) und sind somit mit der Prüfstelle (zukünftig nach Ausgabe der EN 14351-3 mit der Zertifizierungsstelle) anhand der Prüfergebnisse abzuklären.

Üblicherweise sollte deshalb der Austausch von Schlössern innerhalb einer Schlossfamilie auch mit gleicher Massausführung (Stulp, Dornmass) erfolgen.

Gemäss zukünftiger Europäischer EXAPs (Erweiterter Anwendungsbereich) und der gelebten Praxis in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz wird in der Regel die Brandprüfung mit dem Schloss mit dem grössten Dornmass geprüft. Vom Prüfinstitut werden die kleineren Dornmasse freigegeben.

Merkmale und Technische Anforderungen einer Schlossfamilie nach SN EN 12209
Identische Schloss-Abmessungen
Verwendung von gleichen Bauteilen oder Baugruppen
Alle Schlossteile, die für die Fallenfunktion notwendig sind, müssen aus Materialien mit einem Schmelzpunkt von > 1000° gefertigt sein. Der Fallenkopf, nicht jedoch der Fallenschaft, darf diesen Schmelzpunkt unterschreiten. Da bei der Prüfung nach SN EN 1634-1 (SIA 183.181) ohne Riegelausschluss geprüft wird, ist die alleinige Verwendung von Fallenschlössern brandschutztechnisch unbedenklich.
Die Fallenquerkraft, gemessen 3,5mm vom Schlossstulp, soll nicht unter 3000 N betragen. Ist das Schloss Links/Rechts verwendbar (umstellbare Falle), so muss die Fallenquerkraft von beiden Seiten gemessen werden.
Dauerfunktionsprüfung der Schlossfallen mit 200'000 Zyklen nach SN EN 12209 (SIA 343.511).